[Kommentar von Rallye-Report.de] Nachdem Michael Krause unmittelbar vor dem Finale 2009 die Deutsche Rallye Serie (DRS) scharf kritisierte, legt er über seine Internetseite mit der Meldung “… so wird der Rallyesport bedeutungslos …” und mit Beitragen in Internetforen der Rallyeszene nach. Grund genug, sich mit den Vorwürfen im Detail zu beschäftigen.
Auf seiner Internetseite schreibt Krause, “vom 200-er Bereich bis zur Rallye-WM ist ein schleichender Prozess festzustellen, wo es in der Summe immer weiter bergab geht.” Weiter erklärt der Honda-Pilot, dass es bei den Läufen zur Rallye-WM neben Loeb, Hirvonen, Sordo, Latvala und Solberg “in der Regel geldbringende Privatiers mit mittelmässigen Fahrleistungen” gibt. Der Zuschauer müsse daher “nach 12-15 Autos …. zur nächsten WP, weil es sonst langweilig wird.”
Irritiert liest der Rallyefan diese Zeilen. Waren die Auftritte des jungen Nachwuchsteams Gassner/Wüstenhagen auf den internationalen Bühnen wirklich so langweilig, dass man sich diese Leistung nicht anschauen konnte. Offensichtlich haben z.B. in Portugal die Fans das anders empfunden als Michael Krause in Niedereschach. Die waren vom Auftritt des jungen Teams im Mitsubishi außerordentlich begeistert. Im übrigen sind die Äußerungen von Michael Krause, dass alle Piloten die im Feld hinter den fünf bekanntesten Fahrern kämpfen, nur geldbringende Privatiers mit mittelmäßige Fahrleistungen handelt, sehr pauschal und auch nur schwer nachzuvollziehen.
Aber auch in Deutschland erkennt Michael Krause wenig Positives: “Komplette Langeweile, mangelnde Medienarbeit, fast Null Sponsoren, keine Beteiligung der Autoindustrie dann in der DRM, DRS und ADAC Masters bei uns in Deutschland.” Natürlich muss man dem ehemaligen Rallyepilot Recht geben, wenn er die Medienpräsenz des Rallyesports kritisiert. Dieser “besondere” Motorsport fristet nach wie vor ein Schattendasein und die Leistungen der zahlreichen Motorsportler finden medial kaum Anerkennung. Ohne mediale Präsenz fehlt aber nicht nur das Sponsoring seitens der Industrie, auch die Unterstützung durch die lokale Politik hält sich bei einer “Randsportart” in Grenzen. Zwangsläufig stellt sich die Frage, wie man das ändern kann.
Leider findet Michael Krause in seiner öffentlichen Kritik keine Antwort. Ganz im Gegenteil, für Ihn liefert der Rallyesport “komplette Langeweile”. Dann wundert es aber schon, dass er – obwohl er den Rallyesport als Ganzes in Frage stellt – die mangelnde Medienarbeit kritisiert. Schließlich wäre die Vermarktung einer langweiligen Sportart überhaupt nicht nötig weil auch nicht möglich.
In einer Pressemitteilung von Schmack-Motorsport unmittelbar nach seiner Heimrallye in Baden-Württemberg erklärt Krause: “Wir freuen uns riesig hier mit dem Klassen- und Gruppensieg unser vorher gestecktes Ziel erreicht zu haben. Die heutige Punkteausbeute lässt uns schon beruhigter auf die Tabelle der DRS schauen, aber wir wollen jetzt noch nicht an den Titelgewinn denken. Der Weg wird noch weit und wir haben hier einmal mehr gesehen, wie schnell alles vorbei sein kann. Wir konzentrieren uns auf die Wartburgrallye und schauen dann weiter.” Es fällt dem Leser schwer, daraus eine “komplette Langeweile” zu erkennen. Im Übrigen trifft das auch für die Auftritte des Schwaben selbst zu. Insbesondere bei der Rallye Baden Württemberg (DRS) hat Krause gemeinsam mit seinem aus Gotha stammenden Copiloten Sivlio Fleischauer überzeugt. Das Honda-Team schaffte den Gruppen- und Klassensieg mit knapp 3 Minuten Vorsprung vor dem zweitplatzierten Team Hochwimmer/Pfister.
Um so mehr verwundert es, dass der erfahrene Pilot nach 25 Jahren Rallyesport zum Schluß kommt, dass “Rallyesport in dieser Form einfach nicht mehr zeitgemäß ist”. Insbesondere der Zeitpunkt dieser Feststellung verwundert: Krause hatte die DRS-Meisterschaft angeführt, verlor aber bei der Rallye Wartburg wertvolle Punkte und durch die Nichtteilnahme an der Rallye Niederbayern auch die Meisterschaftsführung. Zwangsläufig sah sich der Bankfachwirt aus Oberndorf Vorwürfen aus dem Kollegenkreis ausgesetzt, dass ein abgesagtes AvD-Sponsoring der eigentliche Anlaß für die öffentlich geäußerte Kritik wäre.
Grundsätzlich muss Kritik erlaubt sein und sollte helfen, den Rallyesport im Sinne aller Beteiligten voranzubringen. Daran muss sich auch die Kritik eines erfahrenen Rallyepiloten messen lassen. Allerdings findet sich im Statement von Michael Krause kein einziger Lösungsvorschlag, nur die Äußerung, dass “es keinen Sinn mehr macht” soll offensichtlich einen Ausweg aufzeigen.
Viel enttäuschender ist die Tatsache, dass der eigene Ärger genutzt wird, um alte Wunden wieder aufzureißen. Hatten sich doch die Verbände im vergangenen Jahr endlich wieder aufeinander zu bewegt. Die Rallye Wartburg wurde erfolgreich von ADAC und AvD gemeinsam unterstützt und die Sachsen-Rallye war ein Lauf, der sowohl für die DRM als auch die DRS gewertet wurde. Beides sind außerordentlich positive Entwicklungen, die sowohl von den Fans als auch Teams unterstützt werden sollten. Mit den Aussagen wie “Selbst als DRS-Meister würden wir keinerlei Beachtung finden. Die Meisterschaft, mit einer Handvoll aktiv um den Titel fahrenden Teams, findet noch weniger Anerkennung als die DRM oder das ADAC Masters”, sollen die unterschiedlichen Parteien gegeneinander ausgespielt und alte Gräben “aufgerissen” werden.
Michael Krause hat mit seinen Äußerungen viele Aktive, ehrenamtliche Helfer und Organisatoren “getroffen”. Insbesondere mit der Aussage, dass Rallyesport nicht mehr zeitgemäß wäre, stellt er auch die Leistungen der vielen fleißigen Helfer, die zur Organisation von solchen Veranstaltungen notwendig sind, in Frage. Eine bessere Vermarktung des Rallyesports kann mit seiner Kritik nicht erreicht werden, da er keine Lösungsvorschläge bzw. Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt. Aber seine Äußerungen werden den Gegnern des Rallyesports in Politik und Kommunen neue und hilfreiche Argumente liefern, um die Organisation und Planung von Motorsportveranstaltungen zu erschweren, denkt
Ihr Rallye-Reporter.
